Waisenhauskapelle (1923 – 1944)

In jahrhundertealter Tradition der Kölner Waisenhäuser wurde in der Mitte des 40.000 Quadratmeter großen Geländes in Sülz mit dem damaligen Neubau des Kinderheims eine Kirche mit darunterliegendem Festsaal gebaut. Die „Waisenhauskapelle“, wie man das Bauwerk damals nannte, wurde 1923 eingeweiht. Seit dieser Zeit weist der Zwiebelturm den Weg zum Gelände des ehemaligen Kinderheims.

Historische Aufnahmen zeigen, dass die „Waisenhauskapelle“ im Inneren sehr schlicht gehalten war. 

Innenansicht Waisenhauskapelle

So gab es in der alten Kinderheimkirche keine bunten Kirchenfenster. Geplant wurde die Kirche vom Kölner Stadtbaurat Klewitz. Es ist zu vermuten, dass die Kirche aus Mangel an finanziellen Ressourcen möglichst einfach gebaut wurde. Einen Hinweis darauf bieten die Aufnahmen der zerstörten Kirche. Die zerborstenen Mauern wirken nicht mächtiger als die Wände damaliger Wohnhäuser.

Die alte Kirche mit ihren Verbindungen zu den Nachbargebäuden, die wie Torbogen aussahen, existiert nicht mehr. Ein Volltreffer brachte den Kirchenbau 1944 zum Einsturz. Der Turm blieb stehen. Ebenso überdauerte ein Gebäudeteil den Krieg, der unter der Erde lag.

Unter der alten Kirche lag verborgen vor den Augen der meisten Bewohner des Geländes ein Bunker. Der Weg zum Bunker führte durch einen Kellergang, der früher fast alle Gebäude des Kinderheims miteinander verband. In den Bunker kam man durch eine gasdichte Stahltür, die sich in dem Gang zwischen Verwaltungsgebäude und Haus Elisabeth in Höhe des alten Festsaals befand.

Geöffnete Gasschutztür, Eingang zum Bunker

Der Bunker bot Schutz bei Bombenangriffen und sicherte die telefonische Erreichbarkeit des Kinderheims, sowie mehrerer Schulen in Sülz. Das „Bunker-Telefon“ war parallel zur Vermittlungsstelle der Heimpforte geschaltet. Im Notfall konnten über eine festeingerichtete  Amtsnummer u.a. die Nebenstellen der Schulen Mommsenstraße, Manderscheider Platz und Lohrbergstrasse erreicht werden. Die Schule Mommsenstraße hatte im Krieg die Nebenstelle 333 und musste per Hand angewählt werden. Die Telefonnummer 333 galt übrigens noch bis in die 80er Jahre.

Im Jahre 2011 hatten ehemalige Kinderheimbewohner die seltene Gelegenheit, die “Unterwelt” des Heims unter der Kirche zu besichtigen. 

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