Heinz-Mohnen-Platz in Köln heisst jetzt Platz der Kinderrechte

Am Montagabend, 31. August 2020, war es dann also soweit:
Die Abstimmung für den neuen Namen des bis dato
Heinz-Mohnen-Platz genannten Platzes war einstimmig für Platz der Kinderrechte.
Gratulation an Alle, die für dieses Ergebnis gearbeitet und gekämpft haben.
Auch kommende Generationen werden sich sicher an diesem Straßen/Platznamen erfreuen.

Der Bericht des Express:

Neun Jahre Kampf Kölns Kinder feiern: Politiker korrigieren unsinnige Entscheidung

Von Ayhan Demirci, 02.09.20, 10:37 Uhr

Es ist der Triumph der Kinder! Fast genau eineinhalb Jahre nach dem ersten EXPRESS-Bericht über die umstrittene Benennung des ehemaligen Sülzer Kinderheimgeländes nach dem Kölner Oberstadtdirektor Heinz Mohnen (1914 bis 2005) hat die Politik den Platz umbenannt – und nun allen Kindern gewidmet!
Der neue Name: „Platz der Kinderrechte“! Damit hat die Bezirksvertretung Lindenthal mit Bürgermeisterin Helga Blömer-Frerker (CDU) ihre Entscheidung aus dem Jahr 2011 korrigiert – der Beschluss fiel einstimmig mit den Stimmen von CDU, Grünen, SPD, FDP und Die Linke.

Anstatt das Andenken an die Geschichte des Ortes, Standort des einst größten Kinderheims Deutschlands, zu wahren, war das Areal dem früheren Kölner Amtsgerichtsdirektor und Verwaltungschef Heinz Mohnen (SPD, Oberstadtdirektor von 1965 bis 1978) gewidmet worden. Und das gegen den Rat der Stadtverwaltung, die einen Namen mit Bezug zu Kindern und Pädagogik empfohlen hatte.

Zufall, bittere Ironie oder einfach Fügung: Ein Ehemaliger des Heims, der als Kind in den 60er Jahren mehrere Jahre in Obhut einer Nonne lebte und unter ihren Erziehungsmethoden litt, konnte einen Brief des Oberstadtdirektors aus dem Jahr 1966 vorweisen.
Mohnen, als Chef der Verwaltung in letzter Instanz auch mit Dienstbeschwerden konfrontiert, hatte die Mutter des damals fünfzehnjährigen Jungen, die über die schlechte Behandlung ihres Sohnes klagte, abgekanzelt: Ihre Vorwürfe seien haltlos, sie entbehrten jeder Grundlage – zudem sei der Wert von Kinderaussagen generell zweifelhaft.
Als Mitglied im Verein „Feks“ (Förderverein Erinnerungsorte Kinderheim Köln-Sülz) hatte das frühere Heimkind, der heute 69-Jährige Peter Halberkann, erreicht, dass diese Aussage Mohnens auf einer Gedenktafel kritisch erwähnt wird. Mohnen war nun auf „seinem“ Platz gleichzeitig geehrt und geächtet.
Im Zuge der EXPRESS-Recherchen stellte sich dann heraus: Mohnen war früher Mitglied der NSDAP und SA  sowie als Blockwart aktiv gewesen.

Ehemalige des Kinderheims sind nun glücklich über die Umbenennung. Peter Halberkann erklärt gegenüber EXPRESS: „Für mich bedeutet dieser Entschluss die Vollendung des Gesamtprojekts ‘Erinnerungsorte.” Wir wollten kein Betroffenheitsmahnmal schaffen. Von diesem Ort, wo in fast 100 Jahren seiner Geschichte so viele Dinge passiert sind, sehr schlimme, aber auch gute, sollte eine aktive, positive Wirkung ausgehen. Als Platz der Kinderrechte ist dies nun gelungen!“
 
Monika Huth (55), die 1968 als Dreijährige ins Kinderheim kam und bis zum 18. Lebensjahr dort lebte, sagt: „Die Lebensgeschichten von 22.000 Kindern sind mit diesem Ort verbunden. Ich habe hier gute Jahre erlebt, es war mein Zuhause. Andere gingen durch die Hölle und sind daran zerbrochen.“ Als EXPRESS sie jetzt auf dem Heimgelände trifft, setzt sie sich auf einen der drei Findlinge, die zur Erinnerungsstätte gehören. In den Stein gemeißelt lauten die jeweiligen Inschriften: „Für alle Kinder, die früher hier lebten. Für alle Kinder, die heute hier leben. Für alle Kinder, die künftig hier leben werden.”
 

 

NACHTRAG:
Die Umbenennung des Geländes in Sülz in „Platz der Kinderrechte“ ist jetzt rechtskräftig. Im Kölner Amtsblatt wurde die Umbenennung am 14. Oktober veröffentlicht. Die Details können Sie/ könnt ihr hier nachlesen:

3 Replies to “Heinz-Mohnen-Platz in Köln heisst jetzt Platz der Kinderrechte”

  1. Statement des KRF KinderRechteForums zur Umbenennung des Heinz-Mohnen-Platzes in „Platz der Kinderrechte“

    Montagabend, 31. August 2020: Beim KRF flattert eine gute Nachricht rein, die bei allen für ein Lächeln sorgt. Bei der Abstimmung zur Umbenennung des Heinz-Mohnen-Platzes fiel die Wahl einstimmig auf „Platz der Kinderrechte“. Wir freuen uns riesig!

    Bereits zwei Mal feierte das KRF auf diesem Platz das Kinderrechtefest – symbolisch haben wir ihn schon damals „Platz der Kinderrechte“ genannt. Für uns ist die Namensänderung vor allem ein Symbol. Ein Symbol, dass an die historische Bedeutsamkeit des Platzes als ehemaligen Standort des Kinderheimgeländes erinnert. Und ein Symbol, um nachhaltig und wiederkehrend auf die Rechte von Kindern aufmerksam zu machen.

    Insbesondere durch die Nähe unserer Geschäftsräume, die direkt am Platz der Kinderrechte liegen, fühlen wir uns mit diesem Platz verbunden. Seit Beginn der Diskussionen über eine Namensänderung haben wir uns für den Platz der Kinderrechte stark gemacht und den FEKS e.V. – Förderverein für Erinnerungsorte Kinderheim Sülz e.V. bei seinen Bestrebungen, aus dem ehemaligen Kinderheimgelände einen Erinnerungsort zu schaffen, unterstützt; gemeinsam mit vielen engagierten Menschen und der Unterstützung der Bezirksbürgermeisterin Frau Blömer-Frerker. Jetzt warten wir gespannt auf die offizielle Umbenennung vor Ort.

    Das KRF freut sich auf eine Zukunft, in der wir, andere gemeinnützige Organisationen und viele Familien am Platz der Kinderrechte auf die Rechte der Kinder aufmerksam machen und ein Bewusstsein für sie schaffen, von dem Kinder und Jugendliche der Stadt profitieren können.

  2. Manfred Brüsseler schreibt:
    “Meine Gratulation geht an alle die es geschafft haben, die Lokalgeschichte in Suelz so zu gestalten wie es sich gehoert. Alle Achtung!!!
    Herzliche Gruesse aus Amerika,
    Manfred”

  3. Express | Köln/Von Ayhan Demirci 03.09.20, 12:22 Uhr

    Kommentar: Platz der Kinderrechte: Kölner „Sieg der Kinder” bringt auch Schmerzhaftes.

    Seit gut eineinhalb Jahren ist der Heinz-Mohnen-Platz in Köln ein öffentliches Thema. EXPRESS hatte die NS-Vergangenheit des ehemaligen Kölner Stadtdirektors aufgedeckt. Der nach ihm benannte Platz wird jetzt zum Platz der Kinderrechte. Die ehemaligen Sülzer Heimkinder feiern die Entscheidung, doch die Entscheidung hat auch eine schmerzhafte Seite, sagt unser Autor. Der EXPRESS-Kommentar.

    “Der Sieg der Kinder, die die Erinnerungshoheit über das Heimgelände zurückerobert haben, bringt schmerzhafte Konsequenzen mit sich. Die Angehörigen des ehemaligen Oberstadtdirektors müssen damit leben, dass der Name Mohnen an dieser Stelle getilgt wird.

    Doch auch hier gibt es Versöhnliches. Respekt gebührt der Tochter Heinz Mohnens, die im Laufe der Kontroverse Mitglied des Erinnerungsvereins des Sülzer Kinderheims wurde und begann, sich für die Belange der Ehemaligen einzusetzen.

    Es ist unmöglich, der Person Heinz Mohnen gerecht zu werden. Der Sohn eines Reichsbahners, der in Köln-Ehrenfeld aufwuchs, war Mitglied der NSDAP, der SA und einer Sonderorganisation der Wehrmacht. Was genau zwischen 1933 und 1945 geschah, wissen wir nicht. Was wir wissen, ist: Nach 1945 zog Prof. Dr. Heinrich Leo Mohnen es vor, darüber zu schweigen.

    Was bleibt, ist die Erinnerung an einen talentierten, fähigen Juristen und Verwaltungschef. Er war ein guter, liebevoller Vater, sagt sein einziges Kind. So steht der Platz der Kinderrechte auch für Vergebung und Trost.”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*