Festschrift

Zum 50jährigen Bestehen des Kinderheims Köln-Sülz wurde im Mai 1967 ein Clara Fey Heft vom deutschen Provinzialmutterhaus der Schwestern vom armen Kinde Jesus herausgegeben. Da nur noch sehr wenige Originalhefte existieren, hat Klaus Grube als Gründer der „Kinderheimseite“ die Festschrift im Juli 2009 digitalisiert und als Zeitdokument zum Nachlesen und Downloaden bewahrt. Das Heft beschreibt Entstehung und Wiederaufbau des Kinderheims von 1914 – 1966.

Familiengruppe, Festschrift – Archiv Stadt Köln (KidS)

Interessant an dieser Chronik dürfte sein, dass die Zeit des Zweiten Weltkrieges verschwiegen und nur über die Zerstörung des Heimes berichtet wurde. Friedrich Tillmann (1933 – 1945) wurde als Direktor nicht erwähnt. Friedrich Tillmann war während seiner Zeit als Heimdirektor auch Leiter der Zentraldienststelle T4 (1940 – 1942). Die „Aktion T4“ stand für die organisierte Ermordung von mehr als 70.000 psychisch, geistig und körperlich behinderten Menschen.

Die überwiegende Arbeit des damaligen Direktors Josef Abeln bestand in den Nachkriegsjahren darin, das Kinderheim wiederaufzubauen. Die Zeit drängte, da die an verschiedenen Orten verteilten Kinder wieder in das Heim zurückgeführt werden mussten. Im Gegensatz zu den Vorkriegsbauten bemühte sich Direktor Abeln die neuen Häuser so zu gestalten, dass darin Familiengruppen, also Mädchen und Jungen, gemeinsam leben konnten. Zweck war es, Geschwisterkinder möglichst in einer Gruppe zusammenleben zu lassen und nicht wie vor dem Krieg nach Geschlecht und Alter in Gruppen aufzuteilen. 

“Der große Bruder singt mit den Kleinen”

Die Festschrift erweckt den Eindruck, als würden die Kinder glücklich in Familiengruppen leben. So soll auf Seite 26 ein Foto mit der Bildunterschrift “der große Bruder singt mit den Kleinen” dokumentieren, dass die Kinder wie in einer fröhlichen Familie zusammen sind. Von Zeitzeugen ist bekannt, dass auf dem Foto abgebildete Geschwisterkinder bereits vor Erstellung der Festschrift im Jahr 1966 aus dem Kinderheim “entlassen” wurden, weil deren Mutter sich über Erziehungsmethoden beschwert hatte.

Seine pädagogische Einstellung romantisierte Direktor Abeln in dem er sich selbst als „Vater“ dieser Kinder betrachtete und die Erzieherinnen oder Ordensfrauen als deren „Mütter“. Dabei glaubte Direktor Abeln, dass “Schlagen” eine wichtige erzieherische Maßnahme sei. Die Realität wurde in der Festschrift genauso wie nach außen hin verschwiegen.

Festschrift (PDF)

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