• Beispielloser Vorgang um historisches Areal in Sülz.
  • Platz wurde nach früherem Kölner Oberstadtdirektor benannt.
  • Ein Brief von 1966 stellt jetzt alles in Frage.

Express Köln, Artikel vom 04.02.2019.

KÖLN – Es eröffnete 1917, es wurde geschlossen im Jahr 2012: In den fast 100 Jahren seines Bestehens war das Kölner Waisenhaus für Tausende Kinder das einzige Zuhause, das ihnen geblieben war. Oder das sie je hatten. Viele fanden Schutz. Aber viele erlebten auch Schmerz. Scham. Und Schande.


Bewegende Schicksale: Die Geschichte des Sülzer Kinderheimes

Die Historie des Hauses wurde vor einigen Jahren aufgearbeitet und in einem von der Stadt Köln herausgegebenen Buch dokumentiert – mit Beispielen von „selbstlosem Einsatz für die anvertrauten Kinder“, aber auch erschütternden Schilderungen von Gewalt, Missbrauch und Übergriffen („Vom Kölner Waisenhaus zu KidS: Geschichte(n) des Sülzer Kinderheims 1917-2012“). 

Jetzt fördert ein beispielloser Vorgang die Erinnerungen an die dunklen Vorgänge erneut zu Tage.

Auf dem Kinderheim-Gelände entstand eine neue Siedlung

Der Großteil der historischen Gebäude des ehemals größten Kinderheims Europas zwischen Sülzgürtel und der Neuenhöfer Allee wurde abgerissen. An der Stelle rund um die Waisenhaus-Kirche „Zur heiligen Familie“ entstand eine Siedlung mit Eigentumshäusern. 

Das umgestaltete Areal bekam dann eine postalische Adresse. Es wurde benannt nach dem ehemaligen Kölner Oberstadtdirektor Prof. Dr. Heinz Mohnen (1914-2005). Der Jurist Mohnen, ehemals Richter am Landgericht, später Präsident des Amtsgerichts, war 1965 mit der SPD-Mehrheit im Stadtrat für zwölf Jahre in das Amt gewählt worden. In Mohnens Amtszeit fielen Kölner Großprojekte wie der Bau des Römisch-Germanischen Museums und des Müngersdorfer Stadions sowie bereits 1966 die Einweihung der Zoobrücke.


Widerstand gegen die Entscheidung der Bezirksvertretung Lindenthal 

Doch gegen die von der Bezirksvertretung Lindenthal beschlossene Platzbenennung gibt es Widerstand. Er hat das Ziel, die Entscheidung von 2011 zu revidieren: wegen kinderkritischer Äußerungen, die Mohnen in seiner Amtszeit tätigte.

Das führt am Schauplatz der Ereignisse zu einer für jeden sichtbaren schizophrenen Situation. Der selbe Heinz Mohnen, der durch die Straßenschilder geehrt ist, wird auf einer Gedenktafel auf dem Platz als Vertreter des autoritären Geistes der 50er und 60er Jahre verurteilt.


Oberstadtdirektor hatte Kindern Glaubwürdigkeit abgesprochen

Wörtlich heißt es auf der von der Stadt Köln, dem Landschaftsverband Rheinland und dem „Förderverein Erinnerungsorte Kinderheim Köln-Sülz“ verantworteten Schautafel: „Den Geist dieser Zeit dokumentiert ein Schreiben des früheren Kölner Oberstadtdirektors Professor Heinz Mohnen, in welchem er am 4. Mai 1966 Beschwerden über prügelnde Nonnen mit der Aussage abwiegelte, dass Kinder nicht glaubwürdig seien, da „der Wert von Kinderaussagen grundsätzlich sehr zweifelhaft ist“.

Einer, der den Alltag im Kinderheim in den 60erJahren erlebt hat, ist Peter Halberkann (67), Vorstandsmitglied im „Förderverein Erinnerungsorte Kinderheim Köln-Sülz“. Gegenüber EXPRESS sagte er: „Dieser Satz von Heinz Mohnen entspricht einer Haltung und einer Einstellung, die eine Atmosphäre mitgeschaffen und aufrechterhalten hat, die die Missbrauchstaten im Heim ermöglichte.” Die Platzbenennung nach Mohnen werde daher weder den Kindern, noch dem Oberstadtdirektor gerecht: „Das Verdienst von Heinz Mohnen ist städtebaulich – und nicht pädagogisch.“

Gegenüber EXPRESS erklärte der Leiter von KidS, der städtischen Nachfolgeeinrichtung des Kinderheims, dass der Wunsch Ehemaliger nach einer Umbenennung des Platzes bei KidS „auf Verständnis“ stoße: „Unter anderem wegen der Vorwürfe, aber auch, weil dieser Platz zentral an der Waisenhauskirche liegt.“

Auch an anderer Stelle distanziert sich die städtische Einrichtung: „Dass der Platz in einem demokratischen Prozess der Namensgebung nach Herrn Mohnen benannt wurde, ist nicht auf Initiative der KidS (Kinder- und Jugendpädagogische Einrichtung der Stadt Köln) geschehen.“

Ein ehemaliger, langjähriger Mitarbeiter des Waisenhauses ist der Pädagoge Rolf Koch (68). Er trat seinen Dienst in den 70er Jahren an, als ein grundlegender Umbruch in der Pädagogik und im Erziehungsstil stattfand.


Neuer Direktor untersagte Schlagen, Kneifen, Ohrendrehen, Haareziehen

1972 war ein Reformer zum Nachfolger des langjährigen Direktors Josef Abeln ernannt worden. Noch im selben Jahr untersagte der neue Leiter des Kinderheims, Rolando da Costa Gomez, allen Mitarbeitern per Rundschreiben „ausdrücklich jedes Schlagen, Kneifen, Ohrendrehen, Haareziehen usw. In den Fällen, in denen dies von einer Erzieherin oder einem Erzieher im Affekt geschieht, erbitte ich anschließend einen ausführlichen schriftlichen Bericht über den Vorfall.“

Koch sagt: „Die vorherigen Missstände im Kinderheim hatte der damalige Oberstadtdirektor Mohnen mit zu verantworten. Die Struktur des Hauses, mit einem Direktor, der alles kontrollieren sollte, war falsch angelegt. Direktor Abeln konnte keine Übersicht über die Geschehnisse bekommen. Die Leitungsspanne war zu groß.“

Zu der Rolle des Oberstadtdirektors Mohnen sagt er weiter: „Es mag damals vielleicht zeitgemäß gewesen sein, dass viele Leute dachten: Kinder lügen generell. Aber es passt einfach nicht zusammen, diesen Namen an diesem Platz auf Ewigkeit zu betonieren. Die Entscheidung ist Ergebnis einer typischen Blindheit der Politiker. Die hätten genauer hingucken müssen – und diese Entscheidung nicht treffen dürfen.“ 

Stattdessen plädieren Ehemalige dafür, den Platz in Erinnerung an das Kinderheim umzubenennen in „Platz der Kinderrechte“.


Bezirksbürgermeisterin lehnt eine komplette Umbenennung ab  

Helga Blömer-Frerker (CDU), Bezirksbürgermeisterin von Lindenthal, sagt, sie könne „die  Kritik nachvollziehen“. Eine komplette Umbenennung lehnt sie aber ab: „Es gibt auch Ehemalige, die sind nicht damit einverstanden, dass Heinz Mohnen in dieses Licht gerückt wird. Das hält sich die Waage.“ Mit dem umstrittenen Brief habe Mohnen sich damals vor eine Mitarbeiterin gestellt, „und das war seine Pflicht als Oberstadtdirektor.“

Mohnen sei in der Wichterichstraße in Sülz aufgewachsen, sagt sie über dessen Bezug zum Viertel. Dennoch: Nachdem Kritik an der Benennung aufgekommen war, hatte die Bezirksvertretung April 2018 einen neuen Beschluss gefasst, zumindest einen Teil des Platzes in Platz der Kinderrechte umzubenennen. Dies aber lehnte die Verwaltung mit Hinweis auf die Richtlinien ab. Die Anzahl von Straßen- und Platzbezeichnungen sei so gering wie möglich zu halten. Im konkreten Fall führe dies sonst zu postalischer Verwirrung. 


Bezirksvertretung Lindenthal nimmt neuen Anlauf, aber Ehemalige pochen auf ganzheitliche Lösung

Dieses Jahr nimmt die Bezirksvertretung dennoch einen neuen Anlauf zur Teil-Umbenennung.  Blömer-Frerker: „Das wird klappen.“ Damit wollen sich die Kritiker aber nicht abfinden. Sie pochen auf eine ganzheitliche Lösung. Es gäbe passendere Orte in Köln, um den Oberstadtdirektor Heinz Mohnen in Ehren zu halten.  

Dieser Artikel kann auch hier gelesen werden:
https://www.express.de/koeln/wut-und-emotionaler-appell-warum-dieser-platz-in-suelz-umbenannt-werden-soll-31966188

Von Ayhan Demirci



Ich hab doch im Mai tatsächlich den Artikel des Wochenspiegels – zu Grundsteinlegung und Einweihungsfest der Sülzer Findlinge – vergessen. Das hole ich hiermit nach:

SÜLZ – „Fünf Jahre wurde dieser Moment vorbereitet, nun ist er endlich da“, strahlte Bezirksbürgermeisterin Helga Blömer-Frerker. Gemeinsam mit Harald Weiß, Peter Halberkann und Monika Huth vom Förderverein Erinnerungsorte Kinderheim Köln-Sülz e.V. (FEKS) begrüßte Blömer-Frerker alle Anwesenden. Darunter waren auch Anja Ohliger und Ulrich Beckefeld, Mitglieder der Künstlergemeinschaft ‚office for subversive architecture‘ (osa). Die beiden hatten die Findlinge im Auftrag des FEKS zur Erinnerung an das zeitweise größte Kinderheim Europas (1914 – 2010) erschaffen.

„Es soll ein Ort der Erinnerung bleiben, auch für die Menschen, die hier gelebt und gearbeitet haben“, so Ohliger. Halberkann ließ einige, auch ungute, Erinnerungen an die Zeiten im Heim wach werden. Huth betonte dagegen: „Meine Jahre in Sülz waren eine glückliche Kindheit.” Beide sprachen stellvertretend für viele andere ehemalige Bewohner. Blömer-Freker berichtete, dass die Bezirksvertretung Lindenthal in der kommenden Sitzung darüber entscheiden werde, ob der Platz – auf dem die Findlinge nun liegen – zum „Platz der Kinderrechte“ umbenannt werden solle.

Helga Blömer-Frerker, Harald Weiß, Peter Halberkann und Monika Huth (v.l.) vor der Versenkung der Urne. Im Hintergrund einer der Findlinge.

Helga Blömer-Frerker, Harald Weiß, Peter Halberkann und Monika Huth (v.l.) vor der Versenkung der Urne. Im Hintergrund einer der Findlinge. Foto: tau

Mit der Ankunft der Findlinge nähert sich das Projekt „Erinnerungsorte“ des Fördervereins Erinnerungsorte Kinderheim Köln-Sülz e.V. (FEKS) seinem Ziel. Nachdem nun der Grundstein gelegt wurde, wird es am 5. Mai ab 15 Uhr eine Feier mit Mitgliedern, Förderern, Vertretern aus Politik und Verwaltung und Nachbarschaft auf dem zentralen Platz vor der ehemaligen Kirche geben. „Aktuell werden noch die letzten Vorbereitungen getroffen“, so Harald Weiß. Insgesamt kostet der Gedenkort 80.000 Euro. Den Löwenanteil hat der Landschaftsverband Rheinland beigetragen, der Stadtrat hat Mittel bewilligt, die Sparkasse KölnBonn und die Bezirksvertretung Lindenthal haben weitere Mittel gespendet. „Ohne die Bezirksvertretung wäre das Projekt nicht möglich gewesen“, betonte Vorstandsmitglied Utz Küpper.

FEKS wurde im Sommer 2013 gegründet. Damals trafen sich zum ersten Mal ehemalige Bewohner des alten Kinderheims mit Bewohnern des auf dem alten Heimgelände entstehenden neuen Wohnquartiers. „Als ich erfahren hatte, dass das Kinderheim abgerissen wird, war das schon ein sehr emotionaler und auch trauriger Moment für mich – auch wenn ich natürlich schon lange vorher dort weggezogen bin“, so Huth.

2010 wich das Gebäude-Ensemble einem Neubaugebiet. Für die neuen Bewohner des Areals war es eine Herausforderung, zu erfahren, dass die ehemaligen Heimbewohner mit dem Abriss ein Stück ihrer meist nicht einfachen Kindheit verloren hatten. Aus diesem Austausch entstand dann der Verein gemeinsam mit Alt- und Neubürgern. Der Verein hat heute etwa 40 Mitglieder.

Copy: Koelner-Wochenspiegel

So, fertig. Tschüss.

Neben dem Turm der Kirche „Zur heiligen Familie“ am Sülzgürtel reißen Bagger letzte Überbleibsel des früheren Kinderheims ab. Der Förderverein will an die wechselvolle Geschichte des ehemaligen Kinderheims in Sülz erinnern. Von Martina Windrath

Der Kirchturm der „Heiligen Familie“ ist stehen geblieben: Kathy Ziegler und Harald Weiß möchten auf dem Gelände des ehemaligen Kinderheims in Sülz weitere Erinnerungsorte schaffen. (Foto: Meisenberg)

Der Kirchturm der „Heiligen Familie“ ist stehen geblieben: Kathy Ziegler und Harald Weiß möchten auf dem Gelände des ehemaligen Kinderheims in Sülz weitere Erinnerungsorte schaffen. (Foto: Meisenberg)

Köln. Neben dem Turm der Kirche „Zur heiligen Familie“ am Sülzgürtel reißen Bagger letzte Überbleibsel des früheren Kinderheims ab. In Richtung Beethovenpark stehen bereits Neubauten, wo früher das Heim hinter hermetisch abgeriegelten Mauern lag, entstehen Gärten und offene Wege. Nur der Kirchturm und das „Haus Elisabeth“ bleiben erhalten. Abgerissen wurde auch die Wand mit einem Text, den ein ehemaliger Bewohner aufgesprayt hatte:

„1914 – 2009. Segen und Fluch.

Meinen Dank den Aufrichtigen,

den Schützenden und den Liebenden!

Den anderen das Jüngste Gericht und die

Gnade der Gedemütigten und Zerbrochenen.

Für uns selbst Mut und Frieden.“

 

Vielleicht werden diese Zeilen in Zukunft wieder an einer Stelle auf dem Gelände an die wechselvolle Geschichte erinnern und den ehemaligen Bewohnern Respekt erweisen. Vielleicht werden Fundstücke wie ein Baby-Gitterbett oder die Stadtmusikanten-Skulptur auf einem Erinnerungspfad durchs Neubauareal zu betrachten sein. Kathy Ziegler und Harald Weiß vom „Förderverein Erinnerungsorte Kinderheim Köln-Sülz“ sind Neubewohner und stellten der Rundschau die Initiative vor. Das Projekt wurde von neuen Bewohnern des Quartiers und Ehemaligen initiiert.

„Vorstellen könnte man sich zum Beispiel eine solche Route vom Sülzgürtel bis zum Park“, meint Ziegler. „Wie es genau aussehen könnte, ist noch offen. Aber wir finden wichtig, dass hier ein Stück Stadtgeschichte sichtbar gemacht wird“, so Weiß. Dabei helfen Studierende: Mit der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter sowie der Bildenden Künste Saarland werden Konzepte entwickelt. In zwei Workshops arbeiten Gruppen im Mai vor Ort. Die Arbeiten werden am 20. Juni in der Kirche ausgestellt.

22 500 Jungen und Mädchen

„Die Geschichte des Kinderheims wird von Ehemaligen sehr unterschiedlich wahrgenommen“, weiß Ziegler, die eines der im Bauherren-Modell errichteten Objekte bewohnt. Architekt Weiß wirkte selbst am Bau mit. Einige Ehemalige haben mit dem Areal gebrochen und sehr schlechte Erinnerungen, andere gute Erfahrungen gemacht. Die Errichtung des Kinderheims war 1912 vom Kölner Rat beschlossen worden, insgesamt haben 22 500 Jungen und Mädchen von 1917 bis 2012 in der Sülzer Einrichtung gelebt. Zu Beginn betreuten Schwestern vom Armen Kinde Jesu die Kinder, „Drill und übertriebener Gehorsam waren die pädagogischen Konzepte“, heißt es in der Projektbroschüre.

1972 leitete der damalige Direktor Rolando da Costa Gomez einen Wandel ein, ein Züchtigungsverbot und kindgerechte Konzepte mit Familienanbindung folgten, 1973 verließen die letzten Nonnen das Kinderheim. Der Aufbau der dezentralen Kinder- und Jugendpädagogischen Einrichtungen „Kids“ beendete endgültig die Heim-Ära. 2006 beschloss der Rat, das Gelände an Baugruppen und Bauträger zu verkaufen. Nun werden dort über 300 Wohnungen entstehen, mit dem Kirchturm von Architekt Gottfried Böhm als erstem Erinnerungsort.

Wer das Vorhaben unterstützen möchte, kann sich an Architekt Harald Weiß, Telefon 0221 –  421 584, Mail

Kölnische Rundschau vom 25.04.2015

Kölnische Rundschau vom 23.04.2015 –

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) stellt wegen des hohen Bedarfs weitere 750 000 Euro für den Fonds “Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975” zur Verfügung. Das hat der Landschaftsausschuss Rheinland gestern einstimmig beschlossen. Mit dem Geld werden Menschen, die noch heute unter den Folgen der Heimerziehung in den Jahren 1949 bis 19754 leiden unterstützt.

Zusätzlich sprach sich der Landschaftsausschuss dafür aus, einen Hilfsfonds für Kinder und Jugendliche zu errichten, die in den 1950er bis 1970er Jahren in psychiatrische Kliniken oder Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen untergebracht waren. Diese wurden beim bestehenden Fonds  für ehemalige Heimkinder nicht berücksichtigt.

Weitere Informationen erhalten Interessierte im Internet unter www.ehemaligeheimkinder.lvr.de (kmü)

 

KSTA vom 20.10.2014

Peter Bringmann-Henselder wurde von einem Priester in einem Kölner Kinderheim jahrelang missbraucht. Heute setzt er sich für Aufklärung und Wiedergutmachung ein. Für einen Dokumentarfilm über das Heim verwertet er bislang unveröffentlichte Akten.  Von Uli Kreikebaum   

  Köln. Am klarsten sind Peter Bringmann-Henselders Erinnerungen im Schlaf. Bedrängt von einem Pfarrer, irrt er durch Gänge des Sülzer Kinderheim. Er will weglaufen, schafft es aber nicht. Wenn alles schwarz wird, wacht er schreiend auf.

Als Kind hatte er einen Sprachfehler. Nachdem der Priester ihn das erste Mal vergewaltigt hatte, sei er zu einer Schwester gelaufen und habe ihr stotternd erzählt, was der Geistliche getan habe. „Die Schwester hat mich mit einem Besen verprügelt und der Lüge bezichtigt. Und am Samstag gehst du dem Pfarrer deine Lüge beichten, hat sie zum Schluss gesagt.“

Anfangs habe der Geistliche ihn „nur“ alle paar Monate missbraucht, „als ich älter wurde, fast wöchentlich“. Später wurde er auch vergewaltigt. Es trat ein, was der Priester ihm von Beginn an eingebläut hatte: „Dir wird sowieso niemand glauben.“ Der Geistliche machte in der Kirche Karriere. Vor einigen Jahren ist er gestorben.

„Antrag auf Anerkennung des Leids“

Als junger Erwachsener habe er sich an das Bistum gewandt, und um Aufklärung und Entschuldigung gebeten, sagt Bringmann-Henselder: „Dort sagte man mir, das müsse der Priester mit seinem eigenen Gewissen und mit dem lieben Gott ausmachen.“ Heute sagt Bistumssprecher Christoph Heckeley, Peter Bringmann-Henselder könne einen „Antrag auf Anerkennung seines Leids“ stellen. Der Kardinal werde sich auf Wunsch mit ihm treffen. „Kardinal Meisner hat sich mit allen unmittelbar betroffenen Missbrauchsopfern getroffen, ohne je öffentlich darüber zu sprechen.“ Seit Anfang 2012 können ehemalige Heimkinder, die missbraucht worden sind, Geld aus einem Fonds beantragen, an dem sich Bund, Länder und Kirchen zu je einem Drittel beteiligen. Katholische und evangelische Kirche hatten Anfang des Jahres darauf gedrängt, die Opfer schneller zu entschädigen.

Wie so viele Heimkinder hatte Bringmann-Henselder damals nichts gegen seinen Peiniger in der Hand. Heute gibt es einige Zeitzeugen, die den Kölner Pfarrer und einige der Nonnen des Ordens „Schwestern vom armen Kinde Jesus“ schwer beschuldigen.

Peter Bringmann-Henselder sagt, er habe bis heute „keine normale Sexualität“. Man sieht dem Mann die Traumata nicht unbedingt an. Als Junge hat er sich mit Fäusten gegen die Vergewaltigungen gewehrt. Als Erwachsener bestärkt er die Opfer, ihr Schweigen zu brechen. Und wehrt sich mit hartnäckigen Recherchen. Er zeigt bislang unveröffentlichte Akten, die er für einen Dokumentarfilm über das Sülzer Kinderheim verwertet. „Sie sollen helfen zu zeigen, dass die Kirche mehr weiß, als sie sagt.“

Mit den Schicksalen von Heimkindern beschäftigt sich der Sohn einer Mutter, die ihren Lebensunterhalt als Prostituierte verdiente, seit 1979. Er hat sich für HIV-Prävention starkgemacht und gegen sexuellen Missbrauch in Familien. Vor zwei Jahren erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Er ist – für Menschen, die etwas zu verbergen haben – ein unbequemer Mensch. Man hört ihm zu.

Prügel und Geschenke

Bringmann-Henselders erste Erinnerung an das Sülzer Kinderheim ist ein Besuch im Beethovenpark. Die Schwester zeigt den Kindern ein Vogelnest, Peter fragt: „Legen Menschen auch Eier?“ Dafür eine krachende Ohrfeige. Die zweite Erinnerung: eine Nonne, die ihn prügelt. Es gibt auch schöne Erfahrungen: Er habe Geige und Klavier spielen gelernt im Sülzer Kinderheim und musiziere bis heute. „Zum sechsten Geburtstag haben die Schwestern mir einen Fotoapparat geschenkt. Es war sicher nicht alles schlecht.“

Er zeigt seine Akte: Peter ist ein normal entwickeltes Kind mit gutem Gesundheitszustand, das etwas stottert, steht da. Das war zu einem Zeitpunkt, als er schon vergewaltigt wurde. Bringmann-Henselder wollte Kameramann werden. Er wurde mit der Begründung abgelehnt, dass er immer feuchte Hände habe. Er wurde Elektroinstallateur. Mit 35 musste er in Rente gehen, weil die Vergangenheit hoch kam. Seine Frau, eine Katholikin, die im Kinderheim arbeitete, wollte von seinen traumatischen Erlebnissen nichts wissen. Wenn er mit ihr intim war, tauchten Bilder des diabolischen Pfarrers auf. Als die Ehe scheiterte, brach er zusammen. Therapien brachten nur kurzfristig Linderung.

Also warf er sich in die Recherche. Im Moment arbeitet er an der Gründung einer Stiftung, die Opfern sexueller Gewalt und Ausbeutung helfen soll. Die Verhältnisse für Heimkinder hätten sich enorm verbessert, aber es sei nicht alles gut, sagt Peter Bringmann-Henselder. Die Stadt Köln habe sich entschuldigt und viel zur Aufklärung beigetragen. „Das Bistum hat lediglich ein paar Messen für die Opfer zelebriert. Das ist wie ein weiterer Schlag in den Unterleib der missbrauchten Menschen.“

Kein Reuebekenntnis

150 ehemalige Heimkinder meldeten sich bei Rolf Koch von den Kinder- und Jugendpädagogischen Einrichtungen der Stadt (KidS), als es darum ging, eine Chronik über das ehemalige Waisenhaus zu verfassen. 120 von ihnen berichteten von Misshandlungen. Nach einem Artikel im „Kölner Stadt-Anzeiger“ Ende Juli hätten sich wieder zahlreiche Opfer bei ihm gemeldet. Die Stadt als Betreiber des Kinderheims hat sich für das Unrecht offiziell entschuldigt.

Ein Reuebekenntnis gibt es von der katholischen Kirche bislang nicht. Bistumspressesprecher Christoph Heckeley verweist darauf, dass sich jedes Opfer melden könne: „Angesichts der schweren Verbrechen ist das selbstverständlich.“ Joachim Kardinal Meisner habe sich mit allen Menschen, die unmittelbar Missbrauchsopfer geworden seien, getroffen. Wie viele Opfer das waren und was ihnen passierte, sagt Heckeley nicht. Das gehöre zum Opferschutz.

Die Aachener Regionaloberin Maria Virginia von den „Schwestern vom armen Kinde Jesus“ sagt, ihr Orden spreche „mit jedem, der sich meldet“. Über eine Entschuldigung habe sie „noch nicht nachgedacht. Was passiert ist, ist passiert.“ (uk)

          http://www.ksta.de/koeln/opfer-berichtet-missbraucht-im-koelner-kinderheim,15187530,28787624.html       

Wie es aussieht, haben wir (habe ich) Herrn Schumacher die Blume des Vertrauens wohl zu voreilig überreicht. Oder um es mit seinen Worten zu sagen: Versprochen und gebrochen!

Kaum verschwand ein Artikel mit Lügen über das Kinderheim Köln-Sülz aus dem Internet, tauchte ein Neuer auf:
Auch hier sind wieder Aussagen zu lesen wie “22.500 Opfer hat das Kinderheim zu beklagen.” und “Das “KidS” steht in der Nachfolge des schlimmsten und größten Kinderheimes in Europa.”.

Müssen wir uns jetzt gründlich die Hände waschen, in welche er uns drei Ex-Sülzern am 21.08.2014 versprochen hatte, alle Texte unter Einbezug von ehemaligen richtigzustellen?
Er schrieb mir (O-Ton):

Es wird einen völlig neuen Artikel geben in dem Erich Scheuch und andere Ehemalige in Sülz zu Wort kommen sollen. Auch rege ich ein Treffen in Köln mit den Ehemaligen an.

Obendrauf hat dieser Herr auch noch eine komplette Mail von mir an ihn in Facebook veröffentlicht. Natürlich ohne mein Einverständnis.
Er wollte gerne im Forum mitmischen, doch ich verwies ihn mit diesen Zeilen

Guten Tag Herr Schumacher, das Forum ist nur für ehemalige Heimkinder aus Sülz und für Menschen die dort gearbeitet haben. Sie können sich aber gerne auf der Hauptseite von Kinderheim Köln-Sülz anmelden und dort dann auch Beiträge kommentieren, somit also auch zu Texten Stellung nehmen, die Sie oder den Heimkinderverband angehen. Hier der Link zur Hauptseite: http://www.kinderheim-koeln-suelz.de/
Vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihr Angebot, den Artikel unter Einbezug von Ex-Sülzern neu zu schreiben. Mit freundlichem Gruß Monika Huth

auf die neue “öffentliche” Hauptseite von Kinderheim Köln-Sülz. Das passte ihm scheinbar nicht.

Er hat also nicht nur keine Ahnung von korrekter Recherche, sondern hat wohl auch noch keine Urteile über das Veröffentlichen von Emails gelesen!

Na, das lässt ja Vorfreude aufkommen! Warten wir mal ab, was da sonst noch so von Herrn Schumacher und dem Heimkinderverband kommt.

Es grüßt euch eure “freie Journalistin” mo 🙂